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TRENDVIEWS of FASHION, ARTS & LIFESTYLE


Donnerstag, 4. August 2016

Tanz im August - am 12.8. startet das Festival in Berlin

Das Magazin "Tanz im August" lgibt es auch online.

Ab Freitag, den 12. August treffen sich internationale und lokale Künstler*innen zum 28. Internationales Tanz-Festival in Berlin. Bis zum 4. September ist Berlin wieder einmal Hotspot für alle Tanzbegeisterte:  Die 28. Edition vom Festival zeigt zeitgenössische Klassiker und neue Arbeiten von internationalen und Berliner Choreograf*innen. Großer Eröffnungsabend  ist nächsten Freitag gleich mit vier Aufführungen, u. a. mit der Deutschlandpremiere MOTUS MDLSX im Hau 3.

Virve Sutinen, die künstlerische Leiterin von „Tanz im August“, hat gemeinsam mit der HAU-Chefin Annemie Vanackere letztes Jahr erfolgreich für mehr Etat-Mittel gekämpft. Für 2016 und 2017 hat der Hauptstadtkulturfonds den Etat des Festivals deutlich aufgestockt.

Dance on Ensemble mit 7 Dialogues (Matteo Fargion) und Those specks of dust (Kat Vállastur), 
Foto: Dorothea Tuch
Mit einem dichten Programm und zahlreichen Welt- und Deutschlandpremieren zeigt das Festival an 8 Veranstaltungsorten in ganz Berlin die Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes. Mehr als 150 Künstlerinnen und Künstlern aus 14 Ländern nehmen uns mit  auf eine Reise durch die Welt des Tanzes.

Peeping Tom mit 32 rue Vandenbranden
Foto: Herman Sorgeloos
Besonders beeindruckend: Claire Cunnigham mit "Give Me a Reason To Live"
Foto: Hugo Gelndinning

Alle Informationen zum diesjährigen Festivalprogramm finden sich im kompakten Programmheft, ab sofort kostenlos an vielen Kulturorten in der Stadt erhältlich und hier>> zum digitalen Durchblättern.

Tickets sind online oder an der Abendkasse verfügbar. 
Weitere Informationen unter: www.tanzimaugust.de 

Online-Tickets
Erhältlich ab sofort über den Ticketing-Partner Reservix.

Vorverkauf: HAU-Kasse
HAU2, Hallesches Ufer 32, 10963 Berlin
Tel. +49 (0)30.259004 -27

Öffnungszeiten:
Bis 31.7. Mo–Sa 15:00–19:00
Ab 1.8. täglich 12:00–19:00 

Mittwoch, 27. Juli 2016

Neues aus dem Reich der Schatten - Shadowland 2


Sieben Jahre nach der ersten Tournee von "Shadowland", der faszinierenden Show aus Schatten und Licht, die weltweit für Fuore sorgte, kommt die Modern Dance Company Pilobolus nun mit Shadowland 2 zurück nach Europa.

Schatten sind die Highlights der Show

Seit Dienstag entführt uns das Ensemble aus Connecticut, USA in eine retro-futuristische Fantasiewelt aus Schattenspiel, Tanztheater, Artistik und Musik. Die "Neuen Abenteuer" spielen in einem Kartonfabriklager. Die Kartons spielen dabei eine wesentliche Rolle. Darin eingesperrt sind nämlich phantastische Kreaturen von großer Schönheit - unschuldig, versteckt, gestohlen. Mehrere Leinwände werden gleichzeitig als Schattentheater bespielt und eine ausgefeilte Lichttechnik hebt das Schauspiel auf eine neue Ebene. Werden die verschleppten Kreaturen befreit?

Foto: Beowulf-Sheehan

Eine Welt zwischen Illusion und Realität

Die Live-Performance nimmt Züge eines dreidimensionalen theatralischen Videospiels an, in der unsere virtuelle Welt mit ihrem Bildschirmen und verwirrenden Gleichzeitigkeiten eine eigensinnige Magie entwickelt. Diesmal taucht der Zuschauer ein in Dschungelwälder, Musikkneipen und Maschinenwelten, bevölkert Autos, Straußenvögel, Robotermenschen und Wolkenwesen.






alle Fotos: Beowulf-Sheehan
Erleben auch Sie "Das Neue Abenteuer SHADOWLAND 2, Neues aus dem Reich der Schatten". Auftakt der Tournee ist bis zum 31.7. in Berliner Admiralspalast. Dann geht es erstmal weiter nach Düsseldorf, München, Frankfurt u. a. Mehr Infos zu den Tourdaten und Tickets gibt es hier>>

Admiralspalast
Friedrichstraße 101, Berlin -Mitte
Tel. 030/ 22 50 70 00,
Karten kosten 17-64 Euro

Hier noch ein kurzes Video mit einer Vorschau:



Dienstag, 26. Juli 2016

Wunderschönes Kinderbuch "Milli Hasenfuß"


„Vorlesen ist die Mutter des Lesens“. Dieses Zitat ist von Goethe und hat auch heutzutage seine Gültigkeit. Vorlesen - so meinte Goethe – von frühster Kindheit an, ist von immenser Bedeutung. Bilderbücher fördern die spätere Lesekompetenz unserer Kinder. Ein Kind lernt beim Betrachten, Zuhören und Erzählen vieles, was für das spätere, das „wirkliche Lesen“ wichtig ist.

Im Gegensatz zum Fernsehen, das alle Bilder schon vorgibt, lässt das Erzählen und Vorlesen der Vorstellungskraft unserer Kindes Raum. Mithilfe ihrer Fantasie erzeugt es selbst "innere Bilder" und geht beim Zuhören auf Reisen - in andere Zeiten, Erfahrungs- und Gefühlswelten. Dabei trainiert unser Kind sein abstraktes Denken, seine Kreativität wird gefördert und es lernt, sich in andere hineinzuversetzen. Zugleich erfährt es aber auch, dass es mit seinen Gefühlen nicht allein ist und dass es andere gibt, die Ähnliches empfinden (zum Beispiel Liebe, Eifersucht und Wut).


Am Anfang ist das Bild.

Als meine Kinder noch klein waren, haben wir viele Stunden damit verbracht Bilderbücher anzuschauen oder vorzulesen. Viele Geschichte habe ich gefühlt 1000Mal vorgelesen. Daher war es für mich immer wichtig schöne Kinderbücher zu finden, die meinen Kindern und mir gefallen. Genau ein solches liebevolle Bilderbuch ist »Milli Hasenfuß« von dem österreichisch-tschechische Schriftsteller Michael Stavaric und wunderbar illustriert von Ulrike Möltgen.

Malerische Collagen, schimmernde Farbschichten und ein leuchtendes Finish: Das Kinderbuch »Milli Hasenfuß« ist ein ganz besonderes.



Auf 24 Seiten erzählen Michael Stavaric und Ulrike Möltgen die Geschichte des ängstlichen Hasenmädchens Milli und lassen dabei eine ganz eigene Welt entstehen. In kunstvollen Collagen, mit leuchtenden Farben oder ganz schlicht in Weiß und Schwarz lassen sie die Odyssee des kleinen Häschens lebendig werden, das durch den Wald, die Felder und die laute Stadt zieht.

Milli Hasenfuß ist ein kleines, ängstliches Tierchen. Panisch und zitternd sucht das kleine Häschen Unterschlupf vor den großen Gefahren, die überall lauern.


Milli zittert, schlottert, fiepst: 
„Wie fies die sind, einem solche Angst einzujagen! 
Ob ich mich in einem Blumenmeer verstecken kann?“ 

„Ach Milli“, duften süß die Blüten, »wir sind doch rot, 
kein Hort für dich, hier kann kein weißes Häschen untertauchen,
 hops lieber mal schnell weiter!“

„Was bleibt mir übrig, ich werd es in der Stadt versuchen, 
die ist laut und bunt und grell!“ 
„Ach Milli!“, blinken wild die Ampeln, „wir leuchten rot, orange und grün, 
hier darfst du nicht verweilen. All die Straßen, Autos, Menschen, 
es wäre bald dein Ende, hops lieber mal schnell weiter!“


Milli versteckt sich im Wald, auf den Feldern und sogar in der großen, lauten Stadt. Ängstlich möchte Milli am liebsten unsichtbar sein, doch mit ihrem weißen Fell fällt sie überall auf. Sie scheint schon aufgegeben zu haben. Doch dann geschieht etwas Wunderbares und Milli muss sich nicht mehr verstecken. Der Winter kommt und erste Flocken fallen …


Ulrike Möltgens farbintensive Collagen werden durch Michael Stavaricˇs poetische Worte zu einer lehrreichen und bezaubernden Geschichte zusammengefügt.

Milli Hasenfuß von Ulrike Möltgen und Michael Stavaric:
24 Seiten, gebundene Ausgabe, Format: 23,5 x 29,5 cm,
Kunstanstifter Verlag, Euro 19,80.

Mittwoch, 20. Juli 2016

Yumalove - spreads Love! Berlin's erster Turnschuhladen für Kinder hat eröffent.

Yumalove - Der erste Berliner Turnschuhladen exklusiv für Kinder Foto©DanielReiter

Am Samstag war schon mal Pre-Opening bei Yumalove, in Berlin's ersten Sneaker-Laden für Kinder, mitten in Rixdorf im Herzen Neuköllns. Yumalove (juː m ˈa lav) widmet sich ausschließlich den Bedürfnissen des Nachwuchs. Neben etablierten Marken wie ASICS, New Balance, PUMA, Hummel, Converse, Vans und andere ausgewählte Marken sind auch eine Reihe von liebevoll ausgewählten Einzelstücken erhältlich. Neben Sneakers präsentiert Yumalove auch sein eigenes gleichnamiges Label, eine exklusive Capsule Kollektion, die in enger Zusammenarbeit mit Berliner Labels entstanden ist. Rucksäcke von Herschel und Vermala, Caps von New Era und Uhren von G-Shock runden das Sortiment zusätzlich ab.



Gründer und Inhaber von Yumalove: Kwon Kim
Mit bunter Kinder-Disko am Nachmittag und einer ausgelassenen Sommerparty, begleitet von Tunes Berliner DJ Größen wie DJ Sooph, DJ Perry (Beathoavenz), DJ Luke4000 (Seeed) und DJ Chino (Culcha Candela), koreanischem Fingerfood und zuckerfreiem Gebäck von 1,2,3 feierte Gründer Kwon Kim mit Presse und Freunden die Eröffnung.

Kwon Kim, waschechter Kreuzberger und im früheren Leben Produkt Manager bei PUMA, Adidas und ASICS & Onitsuka Tiger, hat mit Yumalove etwas absolut Neues geschaffen. Inspiriert für sein Projekt wurde er durch eine Weltreise und vor allem durch die Geburt seiner Tochter. Er fügt dabei zusammen, was zusammen gehört: Seine langjährige, professionelle Expertise aus dem Sneaker Business und der kreative Input aus seinem lokalen Umfeld. Von der grafischen Gestaltung über die Architektur und das Interior Design bis hin zum Warenwirtschaftssystem ist alles aus den Händen Berliner Gründer. Yumalove ist nicht nur einfach ein Laden, sondern ein einzigartiges Gemeinschaftsprojekt und ein Ort, der Kinder wie Erwachsene mit allen Sinnen anspricht, unterhält und zum Erleben einlädt.
 
Upcycling Miniaturküchen von rafinesse & tristesse


Yumalove Capsule Kollektion, die in enger Zusammenarbeit mit Berliner Labels entstanden ist.

Seit dieser Woche stehen die Türen von Yumalove für alle offen und Kwon Kim und sein Team freut sich auf Euch.

Yumalove GmbH
Richardstr. 45
12055 Berlin
Öffnungszeiten:
Mo.-Fr.: 11-19 Uhr
Sa.: 10-16 Uhr

Montag, 18. Juli 2016

Harry Graf Kessler – Flaneur durch die Moderne



Die „Stiftung Brandenburger Tor“ zeigt im MaxLiebermann Haus an Pariser Platz in Berlin (gleich neben dem Brandenburger Tor) eine wunderbare Ausstellung über Harry Graf Kessler.

Harry Graf Kessler war Kunstsammler, Mäzen, Verleger, Diplomat, Dandy und ein scharfer Beobachter seiner Zeit. Fast sein ganzes Leben lang führte er Tagebuch. Seine Eindrücke, Gedanken und Beobachtungen hielt er hier akribisch fest. 1968 in Paris geboren, der Vater war ein deutscher Bankier, die Mutter aus irischer Adel. Als er elf Jahre alt ist, wird die Familie geadelt. Er sprach fließend, Deutsch, Englisch, Französisch konnte Latein und Alt-Griechisch. Er war einer der schillernden Figuren in der europäischen Kulturgeschichte.

Heute würde Harry sicherlich auf allen sozialen Medien unterwegs sein, Facebook, Twitter, Instagram. Damals, seit seinem zwölften Lebensjahr, fing er an täglich in sein Tagebuch zu „posten“, was er zwischen Berlin, Paris und London erlebte. Bis zu seinem Tod im Jahre 1937 sammelten sich so 15 000 eng beschriebene Seiten an, darin erwähnt: 12 000 Personen. Heute wäre er sicherlich ein erfolgreicher „Blogger“ und „Social Media Influencer“.

Blick auf einen Teil der Tagebücher von Harry Graf Kessler
Wie aktuell die Person und die Gedankenwelt Kesslers heute noch sind, präsentiert die Ausstellung im Max Liebermann Haus. Tief beeinflusst von Nietzsche analysierte er sein gesellschaftliches Umfeld und schrieb dies in seinen Tagebüchern nieder. Unter dem frischen Eindruck der Geschehnisse vermittelt er ein Bild der zwanziger Jahre von einer Lebendigkeit, wie sie sonst kaum zu finden ist. Ein Fest für Kulturhungrige, Geschichtsbegeisterte und Wissbegierige. Ich habe mir im Anschluss gleich die Taschenbuchausgabe der Tagebücher von 1918-1937 bestellt.

Die Ausstellung geht noch bis zum bis 21. August 2016
Mo/Mi/Do/Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr.

An Donnerstag, 21. Juli, 19:30 Uhr findet ein Vortrag von John Dieter Brinks statt:
Der Mentor. Harry Graf Kesslers Nietsche-Erlebnis.

"Harry Graf Kessler - Flaneur durch die Moderne",
Liebermann-Haus, Pariser Platz 7, Berlin.
Katalog zur Ausstellung (Nicolai Verlag) 24,95 €.

Sonntag, 17. Juli 2016

Foreign Affairs 2016 - das Art Festival begeisterte bis zum Sonnenaufgang


Die fünfte und letzte Ausgabe des internationalen Performing Arts Festival endete am frühen Morgen des 17. Juli. Ausgehend von der Zusammenarbeit mit dem diesjährigen Focus-Künstler William Kentridge hatte der künstlerische Leiter Matthias von Hartz internationale Künstler*innen eingeladen, Projekte zum Themenfeld 'Uncertainty' mit dem Festivalteam zu entwickeln (siehe unser Bericht vom 4. Juli).

Habe die wichtigten drei Bücher im Zusammenhang mit den Kentridge Festivalhöhepunkten gleich mal erstanden.
Das 12-tägige Festival begeisterte besonders mit den Veranstaltungen des afrikanischen Künstlers William Kentridge. Das transdisziplinäre Werk von Kentridge verband sein bildnerisches Schaffen (im Martin-Gropius-Bau)  mit seinen performativen Arbeiten im Haus der Berliner Festspiele. Diese Festivalaufführungen, Projektionen und Installationen waren für mich ein Festival-Highlights. Ein Höhepunkt die Aufführung „Refuse the Hour“ aus der Zusammenarbeit mit Philip Miller, Dada Masilo, Catherine Meyburg und Peter Galison. Sie war Teil  der "Drawing Lessons" und bildete als sechster Teil der "Lessons" einen fulminanten Abschluss.  Für Foreign Affairs 2016 inszenierte Kentridge unter dem Titel „Berlin Memory“ die bereits 49. „Drawing Lesson“.

Auschnitt aus der Aufführung „Refuse the Hour“ im haus der Berliner Festspiele | Foto© Circus Mag

Standing Ovation für „Refuse the Hour“ | Foto © Circus Mag

Aufführung „Paper Music“ mit William Kentridge (Mitte) im Martin-Gropius-Bau
| Fotos © Circus Mag
Eröffnet wurde die Aufführungsreihe mit den Ciné-Concert „Paper Music“ von William Kentridge im Martin-Gropius-Bau. Es ist das jüngste Ergebnis der langjährigen Zusammenarbeit zwischen William Kentridge und dem südafrikanischen Komponisten Philip Miller. Wunderbar und überzeugend, ja berauschend war der subversiver Lied-Zyklus: die Videoanimationen aus Kohle- oder Tuschezeichnungen untermalt von der Live-Performance der Sängerinnen Ann Masina und Joanna Dudley sowie des Pianisten Vincenzo Pasquariello.

Filmprojektion auf der Festspielhausfassade |
Foto© Christopher Hewitt

Foto© Christopher Hewitt

Die 44 Meter lange Filmprojektion „More Sweetly Play the Dance“ von William Kentridge ist im Rahmen des Projekts „NO IT IS !“ nicht nur im Martin-Gropius-Bau, sondern auch an der Festspielhausfassade zu erleben. Die großflächige Projektion bildete das Entrée zur Nachtausstellung.


Die große Kentridge-Werkschau „NO IT IS !“ ist übrigens noch bis zum 21. August im Martin-Gropius-Bau zu sehen, Niederkirchnerstr. 7, Mi bis Mo 10–19 Uhr. 

Samstag, 16. Juli 2016

„Chinese Whispers“ im Haus am Waldsee


„Chinese Whispers“ ist übersetzt so wie „Stille Post“. Einige kennen vielleicht noch das beliebte Kindergeburtstagsspiel: eine Person überlegt sich einen kurzen Satz, der wird flüsternd weitergegeben und am Ende kann man sich nur wundern was aus der ursprünglichen Nachricht geworden ist.

Mit dieser Idee der „Stillen Post“ (Chinese Whispers) hat der Fotokünstler Ingo Mittelstaedt (*1978)  zum 70. Geburtstages des Hauses am Waldsee mit der umfangreichen und bisher unveröffentlichten Sammlung des Rechtsanwalts und Kunstexperten Peter Rau eine Ausstellung gestaltet. „Chinese Whispers“ sieht Ingo Mittelstaedt nicht als Hommage an den herausragenden Anwalt der Künste und Sammler, Peter Raue, noch als das Ergebnis einer kuratorischen Leistung. Vielmehr sieht er sich dabei als Arrangeur und die Gesamtinstallation als eigenes Kunstwerk.

Mittelstaedt's räumlichen Ideentransformationen im Erdgeschoss

In acht Raumbildern bricht Mittelstaedt Hierarchien der Kunstgeschichte auf und unterläuft herkömmliche Regeln der Ausstellungspraxis. Wie in einem digitalen Netzwerk geraten Werke aus der Sammlung, Fotografien und Fundstücke aus seinem Atelier in ein ebenso dichtes, wie leises und überraschendes Gespräch darüber, wie künstlerische Ideen im 21. Jahrhundert lebendig bleiben.

Eine künstlerische Praxis gesteuerter Zufälle

Gestern Abend fand als begleitendes Ausstellungsprogramm ein Künstlergespräch mit Prof. Dr. Peter Raue und Ingo Mittelstaedt unter der Moderation von Dr. Katja Blomberg statt. Überraschend war wie Raue und Mittelstaedt diesen Transformationsprozess der Kunstwerke bewerten. Peter Raue hat anfangs noch versucht diesen Prozess des Arrangements von Ingo Mittelstaedt zu verstehen, dies war ihn aber zu wild und er hat seine Sammlung ohne weiteren Kommentar vertrauensvoll den Arrangeur überlassen.

In der Tradition der Londoner Independent Group der frühen 1950er Jahre arrangiert Mittelstaedt Kunst, Fotografien und eigene Fundstücken zu einem neuen fotogrfischen Bild.

Ingo Mittelstedt stellte seine Sichtweise und seinen Ansatz der Herangehensweise dem Publikum vor. Gerade die „Podestarbeit“ im Erdgeschoss (Mittelstaedt bezeichnete sie auch als Travestie-Show) ist für ihn ein Spiel zwischen den Dimensionen: 2D, 3D und dann wieder auf 2D zu reduzieren. In seinen Arrangements versucht er Bilder aus der Perspektive der Fotografie und der Ästhetik umzusetzen. So entstanden z. B. auf dem Podest neue Bilder aus Kunst- und persönlichen Fundstücken. Wichtig sei ihm dabei der Dialog, der aus diesen Arrangements entsteht. Die Dinge aufzulösen und von der Funktion zu befreien.

Die Rezeptionsgeschichte eines Kunstwerkes ist offen und wandelbar.

Kunst bekommt eine neue Bedeutung – Entwertung oder doch eher Neuverwertung? Die Kunststücke werden von den gesellschaftlichen Normen und (monetären) Bewertungen befreit und auf ihre künstlerischen Inspirationsquellen zurückgeführt. Auch persönlichen Fundstücken besitzen einen Wert. Die Konstellation und die Nähe der Kunst zu den Fundstücken beeinflussen die Werke und setzen eine solche Neubewertung in Gang.

Podestarbeit im Erdgeschoss, im Hintergrund die 20-teiligen Serie von David Hockney
Ingo Mittelstaedt nimmt das Gedicht von Wallace Stevens sowie die Serie von David Hockney als Ausgangspunkt, um „Chinese Whispers“ in Gang zu setzen.

Zwei weitere Schwerpunkte seiner räumlichen Ideentransformationen schafft Ingo
Mittelstaedt im Obergeschoss des Hauses am Waldsee. Hier stehen Arbeiten von
Marcel Broodthaers und Rebecca Horn im Fokus.

„Chinese Whispers“ zeigt insgesamt acht sprechende Bilder im Raum. Sie setzen sich aus über einhundert Kunstwerken aus der Sammlung Peter Raue, an die vierzig Fotoarbeiten von Ingo Mittelstaedt sowie Fundstücken und Objekten aus dem Atelier des Künstlers zusammen. Dabei stammen viele der in den Diskurs aufgenommenen Arbeiten von Künstlern, die früher bereits im Haus am Waldsee ausgestellt haben: Cy Twombly (1963), Joseph Beuys (1967), Rainer Kriester (1972), Marcel Duchamps (1973), Marcel Broodthaers (1974), David Hockney (1975), Rebecca Horn (1975) und Gotthard Graubner (1987).

Die Ausstellung geht noch bis zum 28.08.2016.
Dienstags - Sonntags, 11-18 Uhr, Montags geschlossen

Es erscheint ein Katalog. Hrsg. und eingeführt von Katja Blomberg, mit einem Essay von Wolfgang Ullrich. Verlag Walther König, Deutsch/ Englisch. 80 S., € 18

Haus am Waldsee 
Internationale Kunst in Berlin
Argentinische Allee 30
D-14163 Berlin
www.hausamwaldsee.de


Begleitend zu jeder Ausstellung bietet das Haus am Waldsee Kuratorenführungen, Künstleressen und Künstlergespräche im großen Kreis an.
Kontakt:
s.witt@hausamwaldsee.de oder 030 - 801 89 35

Besonders inspirierend sind die Yoga-Stunden am Morgen. Die Erfahrung der Kunst und des Yoga erweitern unseren Wahrnehmungshorizont. Sie schulen Toleranz und Einfühlungsvermögen und lassen uns gelassener auf die Herausforderungen des Alltags blicken. Die Yogakurse finden immer mittwochs von 9 bis 10.30 Uhr statt.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. (Einzelstunde: € 12)